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Seit wann gibt es Naturwein?  

Bereits seit Tausenden von Jahren haben die Menschen Trauben gepresst und zu Wein vergoren. Ursprünglich kann man sich also vorstellen, dass Wein eine ganz und gar natürliche Angelegenheit war. Dann wurden schnell Lösungen entwickelt, um die Möglichkeiten der Lagerung und des Transports zu verbessern und schliesslich, in den 1970er Jahren, kam die Chemie hinzu mit ihrer Vielzahl an Wundermitteln zur Ertragssteigerung, zur Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen und zur Korrektur von Defekten.

Ein Hoch auf alle esprits libres!

Zum Glück für die Geschmacksvielfalt und die Bewahrung der angestammten Techniken hielten sich jedoch nicht alle Winzer an diese «Lösungen». In fast allen Weinanbaugebieten gab es esprits libres. Es hat sie wahrscheinlich viel Mut gekostet, gegen den so genannten «modernen» Weinbau vorzugehen. In Frankreich können wir insbesondere Jules Chauvet (1907–1989), einen Chemiker und Winzer aus dem Beaujolais erwähnen. Von ihm stammt das Zitat: «Le vin, moins on le touche, mieux ça vaut» (Je weniger man den Wein berührt, desto besser wird er). Auch Marcel Lapierre und Pierre Overnoy waren Unterstützer der Naturwein-Bewegung.

Produktion perfekter Trauben

Erfreulicherweise gab es Nachahmer, oft junge Winzer, die daran interessiert waren, die schönste Herausforderung anzunehmen, die ein Winzer-Bauer annehmen kann: perfekte Trauben zu produzieren, indem man sich auf seine Fähigkeiten als Bauer verlässt. Guten, natürlichen Wein herzustellen, ist eine gefährliche Übung, die Geduld und eine langsame Anhäufung von Fertigkeiten erfordert. Oft ist auch die Begleitung eines erfahrenen Weinbauern erforderlich, der den Weinbauern beibringt, Vertrauen in ihre Trauben zu haben.

Alles, nur keine Mode

Naturwein hat es also schon immer gegeben. So lange, dass die Weinbauer, die ihn produzieren, manchmal nicht verstehen, warum ihr Wein als natürlich bezeichnet wird. Seit mehr als 10 Jahren bezeichnet man ihn mitunter als Modeerscheinung – schlichtweg unmöglich dafür, dass Naturwein bereits tausende von Jahren auf dem Buckel hat. Eines Tages sagte uns ein italienischer Winzer: «Der Wein, den ich produziere, entspricht der Definition des Wörterbuchs. Warum fügen Sie das Adjektiv natürlich hinzu?» Er fuhr fort: «Wein sollte mit einem Adjektiv beschrieben werden, wenn es sich um etwas anderes als nur gegorenen Traubensaft handelt.»